Sport
(Autorin: Elisabeth Krych)
Häufig wird die Frage gestellt: Welche Sportarten kann ich mit einer Sehbeeinträchtigung machen? Pauschal kann man diese Frage nicht beantworten. Es kommt auf die Art der Sehbeeinträchtigung an und mit Sicherheit auch auf das Alter des Betroffenen sowie darauf, ob es sich um eine angeborene oder eine erworbene Sehbeeinträchtigung handelt. Ich habe für Sie unsere Erfahrungen festgehalten und möchte sie gerne an alle Eltern von sehbeeinträchtigten Kindern und an Betroffene weitergeben.
Jan-Philipp ist 12 Jahre alt, hat einen okulären Albinismus mit einem Visus von 10 %. Aktiv Sport zu betreiben begann Jan-Philipp im Alter von 5 Jahren. Sein Wunsch war es – zu unserem Erschrecken –, in einen Fußballverein zu gehen. Bis dahin hatte er eigentlich nie Interesse an Ballspielen gezeigt, aber im Kindergarten gingen schon viele Jungen in den Fußballverein, und in der Nachbarschaft ebenso. Eigentlich waren es sogar die Nachbarskinder, die ihn dazu bewogen hatten. Die Kinder waren schon älter und hatten ihre Lieblingsfußballmannschaften. Da wollte Jan-Philipp mitreden können. Fortan wusste er in der Bundesliga Bescheid und wurde Fan vom FC Schalke 04.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch brachte ich Jan-Philipp zum Fußballtraining. Ich erklärte dem Trainer kurz, dass Jan-Philipp nicht so gut sehen kann, und er meinte nur, dass er darauf achten würde. Eigentlich wusste ich sofort, dass Jan-Philipp sich dort nicht wohlfühlen würde, aber es war ja sein Wunsch. Ganze drei Mal war er beim Training, erzählt hat er in der Zeit allerdings nicht viel. Nur nach dem dritten Training sagte er mir, er wolle da nicht mehr hin. Im Nachhinein erzählte er dann, dass der Trainer immer so schreien würde und auch die anderen Kinder so blöde Sachen sagen würden. Das war das Thema Fußball.
Zur gleichen Zeit suchte der Handballverein Nachwuchs. Es wurden Schnuppertrainingsstunden angeboten. Das Ziel des Trainings war in erster Linie, Kinder zum „Sich-Bewegen“ zu motivieren. Das Training wurde sehr spielerisch angeleitet und hatte sehr wenig mit Handballspielen zu tun. Es wurden viele Spiele für die Motorik und das Gleichgewicht angeboten.
Da Jan-Philipp immer erhebliche Defizite in der Motorik hatte und ich einen Vereinssport für ein Einzelkind sehr sinnvoll fand, habe ich Jan-Philipp gefragt, ob er sich das Training einmal ansehen möchte. Gesagt, getan: Jan-Philipp hatte super Glück mit seinem Trainer. Wir kannten ihn als Vater aus dem Kindergarten. Der Umgangston in der Halle war bedeutend anders als auf dem Fußballplatz, und es gab Vorteile wie: im Sommer keine Sonne, die blendet, im Winter kein Regen usw.
So begann Jan-Philipp seine Handballzeit sehr spielerisch. Jan-Philipp spielt nun schon seit sieben Jahren erfolgreich Handball. Im Sommer wird er zur C-Jugend wechseln. Wir wissen allerdings nicht, ob er in der Klasse weiterhin erfolgreich Handball spielen wird. Handball ist ein sehr schneller Ballsport. Jan-Philipp weiß allerdings selbst, dass irgendwann der Punkt kommen wird, an dem er dem Ball nicht mehr folgen kann. Und bevor er seiner Mannschaft kein guter Spieler mehr sein wird, möchte er rechtzeitig aufhören, Handball zu spielen. Es wird für ihn eine schmerzliche Erfahrung werden. Allerdings haben Trainer und Betreuer Jan-Philipp schon gefragt, ob er nicht Lust hätte, die Minis zu betreuen. Ich denke, so wird er den Kontakt zum Handball nicht ganz verlieren.
Eine ganz wichtige Erfahrung ist, dass man auch ohne räumliches Sehen sehr gut Ballspiele machen kann, denn das räumliche Sehen kann man erlernen oder antrainieren. Jan-Philipp hat gelernt, die Geschwindigkeit des Balls abzuschätzen und ebenso die Entfernung seiner Mitspieler.
Ich versuche zu erklären, warum das so ist:
Die Sehnerven beider Augen haben bei Albinismus einen veränderten Verlauf durch das Gehirn. Dies ist der Grund dafür, dass sich häufig ein Schielen und ein fehlendes räumliches Sehvermögen finden. Der Vorteil bei Albinismus gegenüber vielen anderen Sehbeeinträchtigungen ist, dass es sich um eine Sehbeeinträchtigung handelt, die mit einer Verminderung der zentralen Sehschärfe einhergeht. Das Gesichtsfeld ist normal und das Farbensehen ist häufig nicht beeinträchtigt. Auch das Formen- und Bewegungssehen ist regelrecht.
Des Weiteren macht Jan-Philipp seit zweieinhalb Jahren Ju-Jitsu, wobei er da überhaupt keine Probleme bezüglich seiner Sehbeeinträchtigung hat. Dieser Sport hat Jan-Philipp sehr viel Selbstbewusstsein gegeben.
Leichtathletik ist ebenso eine große Leidenschaft von Jan-Philipp. Seit drei Jahren macht er fortlaufend sein Sportabzeichen, und auch dabei gibt es keinerlei Probleme. Beim Laufen nimmt er wegen der Orientierung immer eine Außenbahn, und beim Absprung wurde bisher die Absprungmarke farblich gekennzeichnet. Das macht es ihm natürlich einfacher.
Hobbymäßig spielt Jan-Philipp Tischtennis, was ihm allerdings nicht so leichtfällt. Es ist eher ein Zuspielen als ein Gegeneinanderspielen.
Das Fußballspielen hat Jan-Philipp nicht ganz aufgegeben. Er ist allerdings nicht im Verein, sondern spielt mit seinen Freunden bei Gelegenheit, und das klappt auch sehr gut.
Seit dem Sommer letzten Jahres spielt Jan-Philipp Badminton. Er hat es gesehen und wollte es ausprobieren. Das war allerdings sehr anstrengend. Mit sehr viel Geduld und Ausdauer hat er es auch hinbekommen. Der Vorteil beim Badminton im Gegensatz zum Federball ist, dass man Badminton in der Halle spielt. Da der Federball eigentlich immer von oben kommt, muss man halt immer nach oben schauen, und wenn es nicht gerade regnet, blendet es.
Auch das Badmintonspiel reicht nicht für Wettkämpfe aus; als Freizeitbeschäftigung ist es aber ausreichend.
Das Fahrradfahren interessiert Jan-Philipp überhaupt nicht. Er hat sehr spät gelernt, Fahrrad zu fahren. Alle Kinder im Kindergarten fuhren schon ohne Stützräder, und dadurch fühlte er sich unter Druck gesetzt und hatte kein Interesse gezeigt, das Radfahren zu lernen. Irgendwann in der 1. Klasse klappte es dann. Zur Kommunion war sein Wunsch, wie bei allen Kindern in diesem Alter, ein Fahrrad. Das Fahrrad haben wir kürzlich, neuwertig, verkauft. Die einzigen Strecken, die Jan-Philipp damit gefahren ist, waren gemeinsame Familienausflüge. Mit Freunden ist er nie gefahren. Ganz schnell hat er selbst bemerkt, dass er bei seinen Freunden nicht mithalten kann. Ich denke, bei Jungen ist das etwas anderes als bei Mädchen. Jungen sind in der Regel wilder, müssen sich beim Fahrradfahren mehr behaupten, machen Kunststücke usw. Für Jan-Philipp ist schon das einfache Mitfahren sehr anstrengend, und da kann er nicht noch irgendwelche Kunststücke auf dem Rad veranstalten. Meistens, wenn die Freunde Fahrrad fahren, kommt Jan-Philipp rein und sagt, er hätte keine Lust, Fahrrad zu fahren.
Ich hoffe und wünsche Jan-Philipp, dass durch das Älterwerden der Freunde auch das Radfahren für ihn möglich wird oder dass er vielleicht mit einem Freund Tandem fahren mag.
Eine weitere große Leidenschaft von Jan-Philipp ist das Skateboardfahren. Bei jeder Gelegenheit steht er auf diesem für mich wackeligen Brett. Dabei mag ich gar nicht hinschauen, denn ich persönlich empfinde es als sehr gefährlich. Die kleinste Unebenheit auf der Straße kann für einen Sturz sorgen. Da hatte Jan-Philipp bisher wohl immer seinen Schutzengel dabei. Was mich auch immer wieder wundert, ist, dass er sich auch auf Skaterbahnen wohlfühlt und waghalsige Sprünge wagt. Ich denke, eine wichtige Rolle spielt dabei, dass Jan-Philipp keine Angst hat und sich sehr viel zutraut.
Beim Schulsport ist Jan-Philipp der Klassenbeste. Er schafft beim Hochsprung 1,90 m, was ich mir nicht vorstellen kann, zumal er mit seinen 1,52 Metern einer der Kleinsten in seiner Klasse ist. Es gibt Jungen in seiner Klasse, die sind zwei Köpfe größer als er.
Segeln war Jan-Philipp im letzten Jahr zum ersten Mal, was daraus wird, kann ich nicht sagen. Wenn er selbst später mal einen Segelschein machen möchte, wird das wohl nicht gehen.
An dieser Stelle möchte ich alle Eltern ermuntern: Wenn Ihr Kind Interesse an einer Sportart zeigt, lassen Sie es gewähren und sagen Sie nicht: „Das kannst Du nicht.“ Ich hätte nie gedacht, dass Jan-Philipp mit seiner Sehbeeinträchtigung solange aktiv Handball spielen wird. Gerade wenn es mal in der Schule nicht so läuft, ist es für Jan-Philipp eine wichtige Motivation zu wissen, was er im Sport alles leisten kann.
Zu meiner Person lässt sich sagen, dass ich in den letzten fünf Jahren erblindet bin. Ich bin jetzt 44 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder. In meiner Kindheit fing der Verlust meiner Sehkraft an. Gestört hat es mich jedoch erst in meiner Jugend. Vor allem in der Schule (normale Regelschule) gab es sehr viele Probleme. Oft konnte ich Dinge nicht an der Tafel erkennen. Immer, wenn wir etwas von der Tafel abschreiben sollten, tat ich immer nur so, als ob ich es abschreibe. Der Tageslichtprojektor und auch Landkarten (in Erdkunde) waren sehtechnisch ein Horror. Das Getümmel im Schulgebäude stellte aufgrund meines eingeschränkten Sehfeldes ebenso ein Problem dar. Nach dem Schulklingeln bin ich so schnell wie ich nur konnte durch das Gebäude gegangen, um dem Gedränge zu entkommen. Dies war für alle das Beste, da ich ansonsten zahllose Mitschüler umgerannt hätte.
Jeder kennt es, und jeder weiß es: Als Jugendlicher möchte man cool und lässig sein. So auch ich. Niemand erfuhr deshalb von meiner Sehbeeinträchtigung. Insbesondere vor den Mädels wollte man ja schließlich keine Schwächen zeigen. So kam es, wie es kommen musste: Auch der Sportunterricht wurde eine Tortur. Mit einem stark eingeschränkten Sehfeld lässt sich eben kein Fußball, Handball, Basketball oder Tennis spielen. Obwohl einige Schüler*innen und ein Sportreferendar in der Oberstufe von meinen schlechten Augen wussten, konnten sie sich das Lachen beim Tennisspielen nicht verkneifen. Mit Bauchschmerzen bin ich jedes Mal zum Sportunterricht gegangen. Immer wieder Gelächter, weil ich die Bälle nicht gesehen habe, führten dazu, dass ich erst recht nicht über meine Sehbeeinträchtigung gesprochen habe.
Erst mit fast 30 Jahren und mit der Hilfe meiner Frau begann ich, mich wieder zu öffnen. Heute, mit 44 Jahren, weiß ich, wie dumm ich war. Mit absoluter Offenheit hätte ich es einfacher haben können.
Heute trainiere ich sogar Karate. Mittlerweile habe ich schon den braunen Gürtel. Mit Karate anzufangen war eine große Überwindung. Immer wieder habe ich das Probetraining vor mir hergeschoben. Die Angst, dass der Trainer sagen könnte, als Mensch mit Blindheit mache Karate keinen Sinn, war einfach zu groß. Doch eines Tages habe ich mich getraut. Meine Frau brachte mich bis zur Umkleide. Als ich hineinging, fand ich zum Glück sofort einen Platz zum Umziehen. Zu den anderen in der Umkleide sagte ich: „Ich möchte ein Probetraining machen.“ Als ich mich umgezogen hatte, fragte ich: „Wo ist denn die Tür zur Halle?“ Ich fügte hinzu, dass ich blind bin und die Tür nicht sehen kann. Plötzlich verstummte der ganze Raum, und ich spürte sämtliche Blicke auf meiner Haut. Ein Karateschüler zeigte mir dann die Tür, und die Sache nahm ihren Lauf. Der Trainer (im Vorfeld von meiner Erblindung in Kenntnis gesetzt) erklärte allen, dass ich nichts sehen kann, und stellte mir einen Trainingspartner zur Seite. Zum Glück war dieser sehr locker und hatte überhaupt keine Berührungsängste. Er nahm mich, packte mich an den Schultern und stellte mich so hin, wie ich stehen sollte. Nach kurzen Erklärungen, was ich machen sollte, nahm er meine Arme und Hände und führte sie so, wie der Bewegungsablauf auszusehen hatte. Auch wenn ich einmal aufgrund der Erklärung nicht weiß, wie eine Fußtechnik funktioniert, nimmt der Trainer einfach mein Bein und zeigt es mir. Ich war von Anfang an Teil dieser Gruppe, und keiner hat mir das Gefühl gegeben, fehl am Platz zu sein. Dies resultiert nicht zuletzt daraus, dass ich von Anfang an einfach gesagt habe, dass ich nicht sehen kann.
Nie hätte ich gedacht, dass man als Blinder Karate machen kann. Es geht wirklich! Und ich bin mir sicher, dass es noch viele Sachen gibt, die auch als Mensch mit Blindheit oder Sehbeeinträchtigung möglich sind. Man muss sich nur trauen. Selbst wenn man von zehn Versuchen neun Niederlagen einfährt, so wird der eine Versuch, der funktioniert hat, alle Niederlagen überwiegen und das Leben bereichern. Was soll denn auch schon passieren? Mehr als dass ein Versuch fehlschlägt, passiert nichts. Natürlich kann das schmerzvoll sein, aber was ändert sich dadurch im Leben? Nichts! Ohne den Versuch, eine Sache zu probieren, hätte man sie ja sowieso nicht gemacht.
Auch der weiße Langstock hat mein Leben bereichert. Neben der wiedergewonnenen Mobilität führt diese offensichtliche Deklaration als Mensch mit Blindheit dazu, dass immer, wenn ich auf der Straße Hilfe brauche, jemand bei mir ist. Ohne zu fragen, ist Hilfe einfach da.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Offenheit das Leben einfacher macht. Natürlich weiß auch ich, dass es immer noch dumme Menschen geben wird, die lachen oder einem irgendwie anders das Leben schwer machen. Man wird jedoch mit Offenheit mehr Akzeptanz und Hilfe bekommen. Nimmt man dann noch Hilfsmittel für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und Blinde an, kann man ein fast normales Leben führen. So putze ich z. B. Fenster oder decke das Dach unseres Gartenhauses. Also habt Mut, neue Dinge trotz eurer Behinderung auszuprobieren und seid euren Mitmenschen gegenüber offen.
Quelle: Matthias R. für das ISaR-Projekt 2013
Ich bin 57 Jahre alt, von Geburt an blind und habe das Glück, mit sechs Geschwistern groß zu werden. Eine meiner Schwestern hat mich zu vielen Sportarten mitgenommen, so konnte ich vieles ausprobieren. Schon sehr früh wurde ich ins Freibad mitgenommen und lernte, wie alle anderen, schwimmen. Ich machte meinen damals noch frei-Fahrten- und Jugendschwimmschein.
Dann nahm sie mich auch zum Reiten mit. Vor vielen Jahren war es noch möglich, ohne einen Reiterschein ein Pony für eine Stunde zu mieten und dann durch die Gegend zu reiten. Auch dies war eine tolle Erfahrung für mich.
Dann kamen wir auf die Idee, Fahrrad zu fahren. Da ich noch kein Tandem besaß, ist meine Schwester mit mir nebeneinander Fahrrad gefahren. Das ging auch sehr gut. Zum Glück war damals noch nicht so viel Verkehr, und irgendwie kamen wir immer unbeschadet davon. Auch an vielen Tandemfreizeiten habe ich teilgenommen.
Später habe ich dann auch mal eine Segelfreizeit mitgemacht. Das Gefühl, mit einem Segelboot über den See zu segeln, war für mich auch sehr beeindruckend.
Schon sehr lange gibt es in Österreich eine Blindenfreizeit, wo Blinde und Sehende gemeinsam das Bergwandern und Bergsteigen ausprobieren können. Wir bekamen die verschiedenen Klettertechniken gezeigt. Ich fand es sehr beeindruckend, die Bergwelt so zu erleben.
Das Rollschuh-, Schlittschuh- und Inlinerfahren probierte ich ebenfalls aus. Das war auch eine supergute Sache.
In Münster, wo ich jetzt lebe, gibt es einen Blindenwassersportverein. Hier haben Blinde und Sehbehinderte mit ihren Freunden und Bekannten die Möglichkeit, sich im Paddeln und Rudern zu versuchen. Seit 38 Jahren bin ich auch dabei.
Viele Jahre habe ich am Sportkegeln teilgenommen. Leider lässt es meine Gesundheit nicht mehr zu, dass ich das Sportkegeln weiter mache. Auch gab es für mich die Gelegenheit, das Tauchen und Nordicwalken zu testen. Beides finde ich auch supergut. Über viele Jahre habe ich Skilanglaufen gemacht. Dieser Sport macht mir auch sehr viel Freude.
Es gibt, so finde ich, für Menschen mit Blindheit viele Möglichkeiten, Sport zu betreiben. Es gibt zwar nicht viele Sportarten, die man als Mensch mit Blindheit ganz alleine machen kann. Ich finde es auch viel schöner, gemeinsam mit Sehenden Sport zu betreiben. Ich bin allen sehr dankbar, die mich an die verschiedenen Sportarten herangeführt haben, und hoffe, dass mein Bericht vielen Betroffenen Mut macht, viele Sportarten auszuprobieren.
(Ida für das ISaR-Projekt 2013)
Wenn ich als Mensch mit Blindheit laufen möchte, so gibt es für mich zwei Möglichkeiten: Zum einen kann ich ein Laufband zu Hause oder im Fitnesscenter nutzen, zum anderen kann ich mich von einem Begleitläufer, auch Guide genannt, begleiten lassen.
Im Langstreckensport bin ich seit 2000 aktiv. Seither habe ich an 12 Marathons – der interessanteste war wohl in Nairobi –, vier Sechsstundenläufen, drei Ironmans und einigen kleineren Wettkämpfen auf den Distanzen von 1.500 m bis zum Halbmarathon teilgenommen. Zu meinen größten Erfolgen zählen mein Marathonweltrekord mit einer Zeit von 3:15:49 h, gelaufen am 31.10.2010 in Frankfurt, und die 67,567 km beim 9. Sechsstundenlauf in Troisdorf.
Ich habe also einige Erfahrungen während der vielen Trainings- und Wettkampfkilometer im Zusammenspiel zwischen Athlet und Guide sammeln können.
In für mich wichtigen Wettkämpfen lasse ich mich gern von Begleitläufer*innen führen, die ich gut kenne. Natürlich habe ich auch schon Guides eine Stunde vor dem Rennen kennengelernt, und es hat während des Laufes alles gut geklappt. Mein Guide und ich sind mit einem Sportschnürsenkel verbunden, der an jedem Ende eine Schlaufe hat, die wir dann in die Hand nehmen. Bei internationalen Wettkämpfen oder einer Rekordanerkennung darf das Band nur 50 cm lang sein. Der Begleitläufer läuft immer an meiner linken Seite, und wir achten darauf, dass das Band leicht straff gehalten wird, denn nur so habe ich den optimalen Abstand zu meinem Laufpartner.
Während eines harten Trainings oder wichtigen Wettkampfs ist es unbedingt erforderlich, dass der Guide schneller ist als ich. Der Guide braucht die volle Konzentration, um Unebenheiten, Kurven, Zeiten, die Länge einer Steigung oder eines Gefälles anzusagen. Er muss aber auch im Wettkampf auf die anderen Starter achten, damit es zu keinen Stürzen kommt. Besondere Aufmerksamkeit ist beim Start eines Laufes an den Tag zu legen.
Für einen Marathon bedeutet dies beispielsweise, dass der Guide auch an seinem schlechtesten Tag ca. 20 Minuten schneller laufen können muss als ich, zumindest dann, wenn er mich auf der ganzen Distanz begleitet. Damit es für alle Beteiligten entspannter ist, teilen sich zwei Guides die Strecke bei einem für mich wichtigen Marathon.
Ich habe die tolle Erfahrung gesammelt, dass viele meiner Trainingspartner*innen auch meine Freunde werden. Damit auch jeder meiner Guides für sich trainieren kann, versuche ich, mein Training auf mehrere Läufer zu verteilen. So genieße ich es, mit netten Männern bei oft interessanten Gesprächen unterwegs zu sein. Natürlich kann ich auch nicht verschweigen, dass es zeitweise sehr anstrengend ist, mein Training abzusichern, weil es ganz oft an der ausreichenden Anzahl von Begleitläufern mangelt.
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich laufe.
Mir gibt das Laufen Bewegung an der frischen Luft, Zeit für Gespräche mit Freunden und die Möglichkeit, mich auszupowern und somit einen Ausgleich zu meinem Job zu schaffen.
Bei meinem letzten Rennen, dem Ober-Elbe-Marathon in Dresden am 29.04.2012, war ich gemeinsam mit dem blinden Marathonläufer Henry Wanyoike und der Christoffel-Blindenmission sowie meinem Guide Ralf Milke und seiner Frau.
Zum Abschluss unseres thailändischen Essens am Vorabend des Wettkampftages wurden uns noch Glückskekse gebracht. Als Ralf seinen Zettel vorlas – „Ohne Sie läuft nichts“ –, mussten doch alle Anwesenden in Anbetracht des bevorstehenden 10-Kilometer-Laufs tüchtig lachen.
Wie wahr: Ohne Ralf oder andere Guides kann ich an keinen Wettkämpfen teilnehmen. Vielen Dank an alle, die mich bisher begleitet haben! Und denjenigen, die über eine Begleitung nachdenken, kann ich nur empfehlen, es auszuprobieren. Schreckt nicht vor der Verantwortung zurück, sondern probiert es einmal aus. Es wird auch für euch viele interessante Momente und Erlebnisse geben!
Regina Vollbrecht
Berlin, 06.05.2012
Ich kann nicht so gut sehen, besonders in der Ferne nicht. Deswegen trage ich eine Brille. Wenn es draußen dunkel wird, brauche ich meinen Langstock. Ich bin 15 Jahre alt und gehe in die Oberstufe einer Förderschule. Früher war ich Schüler in einer Schule für Blinde und Sehbehinderte. Meine Hobbys sind Playstation spielen, fernsehen, draußen spazieren gehen und Tandem fahren.
Hier bei uns in Deutschland gibt es nur in wenigen Fahrradgeschäften Tandems zu kaufen. Als ich einmal in Holland war, gab es viel mehr Auswahl an Tandems.
Wenn wir früher im Wald mit meinen Eltern und meinem Bruder zusammen Fahrrad gefahren sind, habe ich gemerkt, dass mein Sehen irgendwie dunkler war als in der Stadt. Also bin ich nicht mehr so gern mit dem Rad durch den Wald gefahren. In der Innenstadt gibt es aber viele Laternen, Eisenstangen mit Ketten daran und Straßenschilder überall. Da bin ich manchmal fast davor gefahren.
Als wir beim Augenarzt waren, hat er gesagt, dass meine Augenlinsen trüb sind und dass eine Operation gemacht werden muss. Danach sollte ich gar nicht mehr mit dem Rad fahren, weil es zu gefährlich wäre. Ich wollte aber so gerne Fahrrad fahren.
Im Urlaub waren wir einmal auf Norderney. Dort haben wir einen blinden Mann und seine Frau kennengelernt. Die beiden hatten ein Klapp-Tandem und konnten es deshalb überall mit hinnehmen.
Irgendwann hat meine Tante ein Tandem im Internet ersteigert, eigentlich für sich selbst. Sie kam damit aber nicht so gut um die Kurven herum. Also hat sie uns das Tandem einfach geschenkt. Mein Vater und ich hatten in Holland das Tandemfahren schon öfter ausprobiert. Papa hat ein gutes Gleichgewicht, er hat früher Radsport gemacht. Wer zuerst aufs Rad steigt, ist egal – wir kippen nicht um. Wenn gutes Wetter ist, machen mein Vater und ich kleine Radtouren.
Ein Tandem ist sehr teuer. Man bekommt es auch als Mountainbike oder als Rennrad, also als richtiges Sportrad. So eins möchten mein Vater und ich gerne in Zukunft kaufen. Und Trikots. Dann wollen wir jeden Tag trainieren. Vielleicht können wir dann an dem Radrennen teilnehmen, das bei uns einmal im Jahr stattfindet.
Übrigens noch ein kleiner Tipp: Wer hinten auf dem Rad sitzt, sollte auch mittrampeln – sonst gibt es ein bisschen Ärger mit dem Vordermann.
(Marco für das ISaR-Projekt 2013)
Zum Tandemclub Weisse Speiche Hamburg
Zum Verein Tandem-Hilfen e. V.
Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Soest. Ich war nicht im Gemeinsamen Unterricht, sondern habe an einer Förderschule meine Mittlere Reife gemacht. Ich bin von Geburt an blind.
Mein Vater kannte einen Judotrainer, und ich wollte mich irgendwann sportlich betätigen. Deshalb habe ich bei diesem Trainer ein Probetraining absolviert. Der erste Trainingstag war erst einmal etwas komisch. Man weiß, dass man der einzige Blinde ist und weiß nicht, wie die anderen das aufnehmen. Man muss ganz offen daran gehen und darf nicht erwarten, dass einem alles in den Schoß gelegt wird. Aber es gibt ja die Möglichkeit, auf Leute zuzugehen und sie anzusprechen.
Am Anfang des Trainings sind wir meist Runden gelaufen. Immer hat mich jemand mitgenommen, und ich habe mich am jeweiligen Arm festgehalten. Später kamen dann immer mehr Leute auf mich zu, die mit mir laufen wollten.
Beim Laufen habe ich nach und nach die Dimensionen der Halle erfahren. Ich habe natürlich auch beim Aufbau der Matten geholfen. Es war gut, dass ich nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde.
Der Trainer hatte für die Sehenden Zeichnungen von den Griffen beim Judo. Er zeigte sie aber immer am Mann selbst, also an den Trainierenden. Dabei hat er mich selbst auch geworfen. So konnte ich spüren, wie und wo genau er mich festhält und was mit meinem Körper passiert. Einmal stand er vor mir und warf mich plötzlich über die Schulter, ohne dass ich es vorher wusste. Der Wurf hieß „das große Rad“. Der Trainer war schon ein harter Typ. Manchmal sagte er auch: „Komm, ich zeig dir das mal!“ Dann hat er mich gepackt und auf die Matte geworfen. Diese Übungen, mit und ohne Ankündigung, haben mich ziemlich abgehärtet.
Der Trainer warf auch die anderen zur Demonstration der Übung. Das konnte ich schlecht ertasten. Danach wurden wir immer in Paare aufgeteilt, und mir wurde die Übung extra noch einmal erklärt. Der große Vorteil beim Judo ist, dass alles mit Körperkontakt zu tun hat. Es gibt keine Schläge, es ist „der ruhige Weg“. Beim Kämpfen nimmt man eine Grundstellung ein und fasst sich gegenseitig am Anzug.
Später gab es allerdings Kämpfe, bei denen man nicht mehr am Mann stand und keine Möglichkeit hatte abzuschätzen, wie sich der Gegner bewegt. In solchen Fällen muss man sich vorher überlegen, was man mit dem Gegner machen will. Man muss schnell sein.
Meiner Meinung nach sollte man grundsätzlich offen für alles sein und sich nicht wegen seiner Behinderung in die Ecke stellen lassen. Wenn alle ein wenig Mühe geben, geht das auch.
(Nils für das ISaR-Projekt 2014)
Ich habe irgendwann einmal vom Blindenwassersport gehört und wollte gerne mal testen, wie viel Spaß ich am Paddeln und Rudern habe! Dann habe ich mich bei diesem Verein angemeldet. Zum Vereinstreffen fahre ich selten mit dem Bus. Meistens fahre ich mit dem Taxi oder werde mitgenommen!
Das erste Mal im Ruderboot war für mich sehr spannend. Ich habe gedacht, je mehr ich mich bewege, umso schneller fährt das Boot mit mir! So hab ich eigentlich viel zu viel geruckelt und geschaukelt! Da kamen wir dann natürlich nicht so schnell auf Touren!
Zwischen Kajak und Ruderboot gibt es einen Unterschied. Das Ruderboot ist viel größer und die Technik des Ruderns ist eine ganz andere. Ich finde, beim Paddeln ist die Bewegung ganz anders! Ich fahre lieber im Kajak / Paddelboot! Mit dem Paddelboot kommt man schneller voran und man merkt noch intensiver, wie man durch das Wasser gleitet! Im Paddelboot ist das mit der überflüssigen Bewegung noch deutlicher zu spüren, denn je mehr ich mich bewege, (vom Paddeln abgesehen,)um so mehr schaukelt das Paddelboot!
Ich finde, das Rudern ist ein Sport, der mehr Freude und Spaß zusammen mit Sehenden macht. Außerdem finde ich ist es schwierig für einen Blinden, die Orientierung auf dem Wasser zu haben, denn man ist ja nicht alleine unterwegs!
Meistens sind Sehende am Steg, die uns beim Einsteigen behilflich sind. Ob der Blinde oder der Steuermann zuerst ins Boot steigt, ist eigentlich egal. Hauptsache ist, dass man beim Einsteigen nicht herum zappelt und sich vorsichtig auf die Ruderbank setzt. Sobald das Boot zum Ablegen klar ist und alle, die mitfahren möchten, drin sind, gibt der Steuermann das Kommando, dass es jetzt los gehen kann.
Bis man dann richtig auf der Strecke ist, sagt der Steuermann, ob man mit beiden, dem rechten oder dem linken Ruder rudern muss, damit man nicht in die Uferböschung rudert. Es gibt auch eine Paddeltechnik! Für mich als Blinde war es am Anfang schwierig, das Paddel richtig zu drehen. Unser Trainer, Walter, hat es sehr gut verstanden, mir mit viel Geduld die Paddeltechnik beizubringen.
Es ist total wichtig, dass man beim Paddeln das Paddel kräftig von hinten nach vorne durch das Wasser zieht, damit das Boot in Fahrt kommt! Und das Paddel muss richtig in der Hand liegen! Gekentert bin ich bis jetzt noch nicht und ich bin schon seit 38 Jahren dabei! Ich denke schon, dass es eine Möglichkeit gibt, das Ufer zu finden, wenn man kentert, möchte es aber lieber nicht persönlich erleben! Das Miteinander und die Geselligkeit bereitet mir Freude daran, diese Sportart gemeinsam mit Sehenden auszuüben. Schön ist es auch, dass ich durchs Paddeln und Rudern das Gefühl genießen kann, über einen Fluss oder See zu fahren! Manchmal erzähle ich sehr gerne den Sehenden, welche Eindrücke ich beim Hören habe, wenn ich im Boot über das Wasser gleite. Was man gut können muss, wenn man die Sportart Rudern ausübt? Keine Angst vor eventuellem Schaukeln des Paddel- oder Ruderbootes haben! Man sollte nicht ganz ungelenkig sein!
Ein wenig Geduld ist auch erforderlich, bis man die Paddel- und Rudertechnik für sich verinnerlicht hat! Und, natürlich total wichtig!!! Vertrauen auf den Steuermann!
(Ida für das ISaR-Projekt 2014)
Ich studiere an der TU Dortmund Lehramt für Sonderpädagogik und habe durch eine Kommilitonin von den Sportarten Torball und Showdown (Tischball) erfahren. Sie spielt aktiv im Verein Dortmund Kirchderne, und ich habe sie dort besucht. Beim Besuch habe ich zunächst zugeschaut und später auch mitgespielt.
Sowohl beim Torball als auch beim Showdown tragen alle Sportlerinnen eine Augenbinde, um Chancengleichheit zwischen den Mitspielerinnen mit unterschiedlichen Sehbedingungen zu gewährleisten. Wie der Name des Vereins „Integrationssportclub“ schon sagt, sind alle Interessierten herzlich willkommen. Wer Lust hat, kann aktiv mitspielen, sich als Schiedsrichter*in engagieren oder Hilfestellungen wie Bälle wiederbeschaffen übernehmen.
Beim Torball war es spannend zu beobachten, wie sich die Spieler*innen durch Klopfen auf den Hallenboden verständigten, welche Position sie einnehmen. Im Ball befindet sich eine Klingel, damit man ihn hören kann – daran hatte ich vorher gar nicht gedacht. Möchte man einem Mitspieler oder einer Mitspielerin den Ball zuwerfen, schüttelt man ihn vorher, damit die Person weiß, aus welcher Richtung der Ball kommt. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Umgebung sonst ruhig bleibt.
Beim Torball habe ich nur zugeschaut, beim Showdown aber aktiv mitgespielt. Showdown ist ähnlich wie Tischtennis und wird zu zweit an einem Tisch gespielt. An jedem Ende des Tisches befindet sich eine Ausbuchtung, die als Tor fungiert. Außerdem gibt es eine Mittelbande. Jeder Spieler*in bekommt einen Schläger und versucht, den Ball so über den Tisch zu schlagen, dass er in das Tor des Gegners gelangt – dabei muss der Ball unter der Mittelbande hindurch. Der Gegner versucht, sein Tor zu verteidigen. Auch der Ball beim Showdown macht Geräusche.
Am Anfang fiel es mir schwer, mich nur mit dem Gehör zu orientieren, und ich habe den Ball kaum getroffen. Mit der Zeit konnte ich mich immer besser auf das Geräusch konzentrieren, und es hat mir viel Spaß gemacht. Ich kann allen, die eine ganz neue sportliche Erfahrung wagen möchten, Showdown nur empfehlen. Ich freue mich schon darauf, den Sport bald wieder zu betreiben.
(Lena für das ISaR-Projekt 2014)
Ich bin 22 Jahre alt und studiere seit zwei Jahren Philosophie und Geschichte. Später möchte ich als Lehrer an eine Regelschule gehen. Meine Schulzeit habe ich in Aachen verbracht, dort war ich Schüler im Gemeinsamen Unterricht an einer Regelschule und habe auch mein Abitur gemacht.
Ich bin vollblind, habe zwei Glasaugen und bin mit nur einem Auge geboren. 2009 wurde dieses Auge entfernt. Seitdem habe ich meinen Blindenführhund, einen Labrador, der mich bereits seit der 12. Klasse begleitet. Er hat also sozusagen mit mir Abitur gemacht und begleitet mich auch jetzt im Studium. Für mein Studium habe ich mehrere Studienassistenten, die mich insgesamt 15 Stunden pro Woche unterstützen. Sie helfen vor allem dabei, die große Menge an Literatur, die ich für Philosophie und Geschichte benötige, aufzubereiten.
Im Geisteswissenschaftsstudium sind etwa 16 Wochenstunden Seminare üblich, dazu kommt viel freiwillige Lektüre zuhause.
In meiner Freizeit treffe ich mich oft mit Kommiliton*innen und spiele Showdown. Ich hatte auch Gitarrenunterricht und nehme regelmäßig am Hochschulsport teil.
Blindenfußball ist in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, vor allem in NRW ist er seit etwa sechs Jahren im Kommen. Deshalb gibt es noch relativ wenige Vereine, zum Beispiel in Dortmund, Köln und Gelsenkirchen. Manchmal bilden sich sogenannte Spielgemeinschaften, weil man oft lange Strecken zu den Trainingsorten zurücklegen muss.
Ich war schon immer ein großer Fußballfan und habe als Sehender gerne gespielt. Als mein Sehvermögen auf dem einen Auge schlechter wurde, ging das irgendwann nicht mehr so gut. Dann habe ich erfahren, dass in Köln eine Blindenfußballmannschaft gegründet wurde, und bin hingegangen. Einmal pro Woche trainierten wir in einer Soccerhalle – die Akustik war dort allerdings nicht ideal. Die Mannschaft wurde zunächst von einem sehbehinderten Fußballspieler geleitet, später kam ein sehender Trainer dazu. Mittlerweile läuft eine richtige Saison von März bis Juli mit mehreren Spieltagen an den Wochenenden. Das sind ernstzunehmende Turniere.
Beim Blindenfußball darf man keine Angst haben, mit anderen zusammenzustoßen. Man trägt einen Stirnschutz, Schienbeinschoner und die übliche Fußballkleidung. Das Spielfeld ist etwa halb so groß wie ein normales Fußballfeld. Der Torwart ist sehend und coacht die Spieler im Abwehrdrittel. Zusätzlich gibt es einen Mittelguide, der den Spielern im Mittelfeld Anweisungen gibt, sowie einen Torguide, der die Stürmer koordiniert.
Zu Beginn macht man Orientierungsübungen wie Auf- und Abgehen, Joggen und das Ablaufen des Spielfelds. Die Guides dienen als Orientierungspunkte.
Derzeit habe ich nicht genug Zeit zum Training und möchte Blindenfußball nicht als Leistungssport betreiben. Ich mag Mannschaftssport sehr gerne, denn er ist viel anspruchsvoller und körperbetonter als Showdown. Man muss sich viel bewegen, Kondition aufbauen und darf keine Hemmungen haben. Blindenfußball ist ein ruppiger Sport, bei dem man Konflikte austragen können und Lust auf Bewegung haben sollte.
(Philipp für das ISaR-Projekt 2013)
Tango Argentino – das ist doch dieser Tanz, bei dem man sich asynchron und außerhalb des Taktes zu kitschiger Musik bewegt, oder? Mein Freund Matze hatte diese Meinung schon fest verankert, als er mir diese rhetorische Frage stellte. Ich wollte ihm gerne sagen, dass Tango sehr geschmeidig, elegant und sinnlich ist. Stattdessen wies ich ihn darauf hin, doch mal drei Stunden auf hohen Hackenschuhen durchzutanzen und dabei seine Waden und die Stützmuskulatur im Rumpf zu beobachten, bevor er solche Kommentare abgibt.
Er hat das natürlich nie gemacht. Schade für ihn, denn der Tango hat mich gefangen, seit er mich – in Form meines Tanzlehrers Augusto – ganz zufällig fand.
Augusto ist Chilene, Mitte sechzig (bei unserem ersten Treffen) und sieht ein bisschen aus wie Albert Einstein. Früher hat er Salsa unterrichtet, doch das fordert irgendwann die Kondition zu sehr, wenn man es den ganzen Tag macht. Also stieg er auf Tango um.
Irgendwann hatte er die Idee, auch Menschen mit Blindheit Tango beizubringen. Denn seinen sehenden Schülerinnen gelingt es deutlich besser, sich auf die Bewegungen der Partnerinnen einzulassen, wenn sie eine Augenbinde tragen und somit nicht von anderen optischen Reizen abgelenkt sind. Und da kam ich ins Spiel.
Falsch – zuerst kam mein Führhund ins Spiel. Der nutzte seinen Freilauf mal wieder, um unter Augustos Studiofenster Dönerreste zu verschlingen. „Wo ein Blindenhund ist, da ist auch eine Blinde“, dachte Augusto, ließ alles stehen und liegen und rannte nach draußen. Doch das Spreeufer war schon leer, denn der Hund hatte alles aufgefressen und mich bereits nach Hause geführt. In den folgenden Tagen bekam ich von verschiedenen Hundebesitzerinnen Visitenkarten – mich würde ein Tangolehrer suchen, hieß es. Ich dachte an einen schlechten Scherz, rief aber doch an.
Augusto ist überzeugt, dass er jeder Frau innerhalb von zehn Unterrichtsstunden so viel Tango beibringen kann, dass sie auf einer Milonga (Tangotanzveranstaltung) mittanzen kann. Ob wir ausprobieren wollten, ob das auch bei Menschen mit Blindheit klappt?
Natürlich klappt es! Beim Tango kommt es noch viel mehr als bei anderen Paartänzen auf gutes Führen und gefühlvolles Folgen an. Es gibt keine starren Figuren, die einfach „abgetanzt“ werden. Stattdessen wird Schritt für Schritt improvisiert. Das heißt nicht, dass man keine Figuren lernt – „Ochos“, „Moulinette“ oder „Bicicleta“ sind Klassiker –, aber man weiß nie, wie der Führende sie kombiniert.
Für die Führenden bedeutet das, nicht nur ihre eigenen Füße zu kontrollieren, sondern auch die Choreographie laufend weiterzuführen und die Bewegungen der Folgenden „zu verkaufen“. Klare Signale sind gefragt. Die Folgenden brauchen dagegen eine hohe Sensibilität, um die Impulse sofort in elegante Bewegungen umzusetzen. Dabei sind sie insgesamt viel aktiver, besonders bei Drehungen.
Obwohl Augusto recht hat, dass das Folgen schneller gelernt ist, habe ich mich in der ersten Übungsstunde gefragt, wie aus dem Stolpern jemals eine geschmeidige Bewegung werden soll. Tango zu lernen dauert – aber es lohnt sich, denn gemeinsam zu dieser einzigartigen Musik zu tanzen hat wirklich etwas Magisches.
Augustos Unterrichtsstil ist ungewohnt, aber sehr blindentauglich. Er erklärt nicht viel, sondern greift sich Führende und Folgende einzeln heraus und tanzt mit ihnen, bis die Bewegungen im Körpergedächtnis sind. Für die typischen Verzierungen führt er den Fuß der Schüler*innen mit Blindheit mit der Hand. Natürlich ist es einfacher, Figuren zu verstehen, wenn man sie sehen und im Spiegel überprüfen kann. Aber das „Begreifen“ macht den Erfolg umso nachhaltiger!
Mittlerweile sind wir nicht mehr nur zu zweit, sondern haben den wöchentlichen inklusiven Workshop „Tango Sehnix“ ins Leben gerufen. Augusto zeigt immer wieder, dass Tango wunderbar mit Menschen mit Blindheit funktioniert. Das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass diese Gruppe sehr ans Geführtwerden gewöhnt ist. Schwieriger ist das blinde Führen – im Übungsraum klappt das meist unfallfrei, auf überfüllten Tanzflächen kann es aber zu lustigen Karambolagen kommen.
Bleibt die Frage: Ist Tango wirklich Sport? Wahrscheinlich nicht so sehr wie Quickstep oder Rock’n’Roll, denn Tango ist eine eher langsame Sache. Trotzdem erfordert er viel Körperarbeit, besonders Gleichgewicht und Koordination. Die typische dreiecksförmige Tanzhaltung, bei der sich beide Partner gegenseitig stützen, ist anfangs eine Herausforderung. Allerdings sieht man diese Haltung eher bei der Milonga im schummrigen Licht als im Unterricht.
Und wie gesagt: Wer das Laufen auf hohen Hackenschuhen oder das Halten auf den Ballen nicht gewöhnt ist, spürt das auf jeden Fall in den Beinen! Ja, Tango ist ein Sport – aber eben noch viel mehr.
(Sport-Erfahrungsbericht von Hannah für das ISaR-Projekt 2017, Erstveröffentlichung in: Jugend-Punktschriftzeitung "Die Brücke")
Mein Name ist Dirk, ich bin 50 Jahre alt und blind. Früher war ich Maurergeselle, dann Polier im Hochbau und schließlich Maurermeister. Irgendwann bekam ich Durchblutungsstörungen, und es dauerte etwa ein Jahr, bis mein Sehvermögen auf unter 2 Prozent sank. Meinen Beruf konnte ich so nicht mehr ausüben.
Über den Blinden- und Sehbehindertenverein habe ich die Fortbildung „Wir sehen weiter“ gemacht. Dabei wird man Berater für Blinde und Sehbehinderte. Das war allerdings erst fünf Jahre, nachdem ich erblindet war. Heute benötige ich auch Hörgeräte. Seit 2011 bin ich Beisitzer im Vorstand eines Blinden- und Sehbehindertenvereins.
Früher bin ich viel mit Motorrad oder Auto gefahren – nach Finnland, Schweden oder Holland. Man kann ja nicht nur zu Hause sitzen. Als ich blind wurde, war das natürlich nicht mehr möglich. Eines Tages las meine Mutter eine Zeitungsanzeige, dass es einen Stammtisch für Blinde und Sehbehinderte gibt. Ich bin mit dem Zug hingefahren – ganz allein.
Durch die Gespräche beim Stammtisch habe ich vom Bogenschießen erfahren. Seitdem bin ich Mitglied in einem entsprechenden Verein. Unser Trainer Klaus hat ein Hilfsmittel speziell für uns gebaut: Er hat ein Brett genommen und zwei Leisten darauf geschraubt. Beide Füße stellt man an die lange Leiste – so weißt du immer, dass deine Füße schulterbreit auseinander stehen. Auf das Brett ist außerdem ein sogenannter „Galgen“ montiert: eine senkrechte Stange mit einer halbrunden Halterung für das Handgelenk. So weißt du, dass deine Hand zum Bogenschießen schon auf der richtigen Höhe ist, um die Zielscheibe zu treffen. Man kann noch variieren, indem man das Handgelenk hebt oder senkt.
Du schießt, und der Pfeil trifft – ein sehender Helfer sagt dir, wo genau. Zum Beispiel „vier Uhr blau“. Dann kannst du deine Haltung anpassen, um in die Mitte der Zielscheibe zu treffen.
Wir sind eine gemischte Gruppe aus sehenden und blinden Sportler*innen. Für mich ist das Besondere an diesem Sport, dass ich weder meine Augen noch mein Gehör brauche. Ich kann das Bogenschießen nur empfehlen. Es zeigt, dass man auch als Blinder Erfolg haben kann. Berührungsängste gibt es bei uns im Verein nicht. Jugendliche oder Erwachsene, die Bogenschießen ausprobieren möchten, sind jederzeit herzlich willkommen.
(Dirk für das ISaR-Projekt 2014)
1998 startete ich die Inliner-Aktivitäten für Schüler*innen mit Sehbeeinträchtigung und Blindheit am Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg – allerdings nicht als Lehrer, sondern als Heimleiter für die betreuten Kinder und Jugendlichen im Internat und in der Tagesstätte. Bis heute findet in der Freizeit einmal pro Woche eine Inlinerstunde für die Betreuten sowohl im Internat als auch in der Tagesstätte des bbs Nürnberg statt.
Ehemalige Schüler*innen des Bildungszentrums trainieren seit mehr als zehn Jahren beim 1. FCN Roll- und Eissport e.V. in einer eigenen Blindensportgruppe und nehmen auch an den regulären Sportstunden des Vereins teil.
Inlineskaten ist eine hervorragende Sportart und Bewegungsmöglichkeit für Menschen mit Blindheit. Voraussetzung ist eine sehende Begleitung oder ein speziell abgetrennter Bereich – wie er im Verein und am Bildungszentrum vorhanden ist. Mit sehender Begleitung kann Inlineskaten an allen Orten ausgeübt werden, an denen auch sehende Inlineskater fahren.
Das Erlernen des Inlineskatens ist für blinde Menschen eine sehr individuelle Angelegenheit. Der Körper muss neue Bewegungsmuster erlernen und trainieren, um sich sicher auf den Rollen zu bewegen und automatisch zu reagieren. Dabei helfen Übungen an Ort und Stelle, oft begleitet von Musik und durch Unterstützung in der Handhaltung. Ein allgemeingültiges Unterrichtskonzept gibt es trotz meiner jahrelangen Erfahrung nicht – jeder Fortschritt ist individuell. Doch immer wieder motivieren mich die glücklichen Gesichter bei jedem kleinen Erfolg.
Für den Sportunterricht an Schulen empfehle ich eher das Waveboard, da es dort besser einsetzbar ist.
Auf meiner Webseite beschreibe ich die Aktivitäten ausführlich. Inklusion im Sport ist ein großes Thema, das wir schon seit über zehn Jahren im Verein leben. Der Deutsche Rollsport- und Inlineverband hat vor zehn Jahren spezielle Regelungen für Sportler*innen mit Behinderung in seine Wettkampfordnung aufgenommen.
Im kommenden Jahr jährt sich die erste Deutsche Meisterschaft im Speedskaten für Sportler*innen mit Sehbehinderung und Blindheit zum zehnjährigen Jubiläum. Seitdem werden regelmäßig Meisterschaften auf Bahn und Straße ausgetragen.
Wenn vollblinde Menschen nur mit Begleitung Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h erreichen und Wettkämpfe über Marathondistanzen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h absolvieren können, dann zeigt das eindrucksvoll, wie großartig Inlineskaten als Sport für blinde Menschen ist. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, passende Begleitläufer*innen für Training und Wettkämpfe zu finden.
Ich selbst bin mittlerweile 73 Jahre alt und stehe meiner Sportgruppe weiterhin als Trainer zur Verfügung – jedoch nicht mehr als Begleitläufer, denn meine Sportgruppe ist in Sachen Leistungsfähigkeit inzwischen an mir vorbeigezogen.
(Volker Springhart, November 2016)
Erfahrungsbericht von Silja Korn
An dieser Stelle fragen sich sicher viele: Können Menschen mit Blindheit das denn überhaupt?
„Warum denn nicht?“, haben sich Reinhard Tank, Tomas Hartl, Lars Lorenz, Guido Bonatz und Detlef Peters gefragt.
Alle fünf Männer haben sich intensiv dafür eingesetzt, dass diese Idee – Blinde sollen am Trabrennsport teilnehmen können – erstmals in Deutschland umgesetzt wird. Um diesen Traum zu verwirklichen, erhielten sie finanzielle Unterstützung von „Aktion Mensch: Die Gesellschafter“ (www.diegesellschafter.de) sowie von der „Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde e. V.“ (www.blindefreunde.de).
Am 31. Mai 2017 um 17:00 Uhr wurde dieser Traum Wirklichkeit: Fünf Menschen mit Blindheit wurden im Pferdesportpark Berlin-Karlshorst (www.pferdesportpark-berlin-karlshorst.de) behutsam an den Rennsport herangeführt.
Der Trainer Guido Bonatz stellte uns die neun Jahre alte Stute Jojo vor. Jeder von uns durfte sie mit den Händen ertasten, um ein Gefühl für das Tier zu bekommen. Anschließend erklärte uns Guido, wie man ein Pferd vorbereitet, bevor es vor einen Sulky gespannt wird – auch diese Arbeitsschritte durften wir mit den Händen erfühlen. Währenddessen hatten wir jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Die Stute Jojo zeigte sich uns gegenüber sehr geduldig und ruhig. Nachdem sie vorbereitet war, ging es zum eigentlichen Höhepunkt des Tages: Das Fahren mit dem Sulky.
Gemeinsam mit Guido Bonatz durften wir uns auf den Sulky setzen. Er legte uns die Zügel in die Hände und zeigte uns, wie man sie bedient, um das Pferd in Bewegung zu setzen. Dann wurden Helm und Schutzbrille aufgesetzt, und die Fahrt konnte beginnen.
Das Steuern eines Sulkys als Mensch mit Blindheit ist nur möglich, wenn der Trainer neben einem sitzt und die Richtung vorgibt. Der Mensch mit Blindheit kann dann selbstständig die Zügel je nach Bedarf betätigen. Ohne die Unterstützung einer sehenden Begleitperson ist ein eigenständiges Lenken nicht möglich. Doch durch die klare Kommunikation und Anleitung des Trainers ist es möglich, das Pferd sicher zu lenken.
Auf dem Sulky sitzen und es lenken zu dürfen, vermittelt ein unvergleichliches Gefühl von Freiheit.
(Erfahrungsbericht von Bastian – für das ISaR-Projekt 2018)
Ich bin 34 Jahre alt, arbeite als Hilfshausmeister an einer Grundschule und kümmere mich dort unter anderem ums Laubfegen und das Schneiden der Büsche. Seit vier Jahren bin ich vollblind.
Nach meinem Realschulabschluss an einer allgemeinen Schule habe ich eine Ausbildung als Tischler gemacht. Doch nach und nach wurde mein Sehvermögen schlechter, und schließlich ging es nicht mehr weiter in dem Beruf. Eine Zeit lang war ich nur zu Hause. Dann fing ich in einer Kleinstadt als Gärtner an. Nach drei Jahren konnte ich sogar auf dem Bauhof arbeiten. Neun Jahre war ich dort – bis mein Augenlicht ganz schwand.
Ich konnte dann noch halbtags an meiner alten Realschule arbeiten, bevor ich schließlich komplett blind wurde. Heute arbeite ich wieder als Gärtner – diesmal an der Grundschule in meinem Heimatort.
Früher, als ich noch sehen konnte, habe ich schon Tennis gespielt. Ich kannte also die Regeln, wusste, wie ein Tennisfeld aussieht, wie man sich bewegt. Vor etwa eineinhalb Jahren las meine Mutter einen Zeitungsartikel über Blindentennis. Ich rief den Trainer an, und der sagte sofort: „Komm vorbei!“ Seitdem fahre ich – mit Begleitung – rund 35 Kilometer zum Training.
Beim ersten Training war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte Angst, mich frei zu bewegen, frei zu laufen. Doch die anderen sagten gleich: „Du kannst dich ruhig bewegen. Wenn ein Hindernis kommt, schreien wir.“ Diese Ermutigung hat mir sehr geholfen.
Wenn wir spielen, tragen wir eine Dunkelbrille – unabhängig davon, wie viel man noch sieht. In unserer Gruppe sind wir acht oder neun Spielerinnen, zwei davon vollblind (B1). Bei uns B1-Spielerinnen darf der Ball dreimal aufticken, bei B2 (bis 2 % Sehrest) zweimal. Auch einige Sehende spielen mit.
Der Ball ist größer und leichter als beim normalen Tennis und enthält in der Mitte einen kleinen Tischtennisball mit Metallplättchen – so hört man, wo er ist. Dennoch ist es manchmal schwierig, wenn viele Felder nebeneinander liegen, denn dann rasseln die Bälle der anderen Teams ebenfalls. Eigentlich sollte es möglichst leise sein, damit man gut hören kann.
Am Anfang war besonders der Aufschlag schwierig – man muss seine Kraft ganz anders einsetzen. Aber es ging besser als gedacht. Der Trainer erklärt viel und führt immer wieder neue Techniken ein. Wenn etwas nicht gleich klappt, gibt es verbale Korrekturen. Schwierig ist manchmal, dass es nicht zu langen Ballwechseln kommt. Wenn der Ball ins Aus geht, bleibt er erst mal liegen. Am Ende sammeln wir alle Bälle gemeinsam mit einer Ballkiste ein.
Was mir besonders gefällt: Es gibt kaum Konkurrenz oder Neid. Alle freuen sich an der Bewegung. Viele sagen, Blindenfußball sei eher ruppig – Tennis ist ganz anders. Man bleibt fit, lernt ständig dazu, und es wird nie langweilig.
Kindern oder Jugendlichen, die sagen: „Ich bin blind, ich kann ja eh nichts machen…“, würde ich sagen: Probier es einfach mal aus! Ich kenne viele Blinde, die erst skeptisch waren – und heute begeistert dabei sind.
Wer neugierig ist, kann zum Beispiel bei den Workshops von Blindentennis Deutschland reinschauen – dort sieht man immer wieder neue Gesichter, die mutig den ersten Schritt wagen.
(Erfahrungsbericht von Charlotte – für das ISaR-Projekt 2018)
Ich heiße Charlotte, bin 18 Jahre alt, habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und möchte bald Sport studieren. Vielleicht starte ich mit dem Master in Bielefeld und wechsle danach an die Sporthochschule nach Köln.
Ich habe seit meiner Geburt eine Sehbeeinträchtigung. Mein Sehvermögen liegt bei etwa 5 bis 10 Prozent. Das bedeutet: Auf eine Entfernung von zwei Metern kann ich fast alles erkennen – aber Lesen ist sehr schwierig. Farben kann ich unterscheiden, doch ich bin stark kurzsichtig.
Meine Schullaufbahn habe ich an allgemeinen Schulen durchlaufen – in der Grundschule und später auf einem Gymnasium. Meine Lehrer*innen wurden im Rahmen des Gemeinsamen Lernens von Fachleuten für Inklusion beraten. Besonders im Sportunterricht habe ich immer alles mitgemacht – ich wollte nie außen vor bleiben.
Früher habe ich bereits Leichtathletik gemacht. Seit 14 Jahren spiele ich Tennis mit sehenden Spieler*innen. Seit zwei Jahren gibt es in unserem Verein zusätzlich die Möglichkeit, Blindentennis zu spielen – eine tolle Ergänzung, bei der man sich stark auf das Hören konzentrieren muss.
Zum Tennis bin ich durch meine Schwester gekommen. Sie spielte schon, als ich vier Jahre alt war. Der Trainer sagte damals: „Komm doch einfach mal mit.“ Damals war alles noch sehr spielerisch. Als jüngere Spieler*innen beginnen wir auf kleineren Feldern. Ab der C-Jugend wechselt man dann auf die große Spielfläche. Ich durfte manchmal sogar extra mit dem Trainer vorab Bewegungsabläufe üben, was mir sehr geholfen hat.
Heute genieße ich Tennis als Sport, bei dem man abschalten und den Kopf freibekommen kann – egal ob mit Sehenden oder mit Blinden. Besonders weil ich mittlerweile die Techniken beherrsche und alle Schläge kenne, kann ich mich auf das Spiel konzentrieren und einfach den Moment genießen.
Beim Blindentennis halte ich es für sehr wichtig, dass es zu Beginn eine Platzbegehung gibt. Das hilft den Spielerinnen enorm bei der Orientierung. Mit vollblinden Sportlerinnen starten wir dazu in der Mitte des Platzes, zählen dann die Schritte bis zum Netz – vorwärts, rückwärts und seitwärts bis zu den Außenlinien. Mit jeder Stunde entsteht im Kopf ein immer klareres Bild des Platzes.
Ich bin inzwischen selbst Trainerin – für blinde und sehende Spieler*innen. Meine Haltung ist ganz klar: Probiert Sportarten einfach aus! Schließt nichts vorschnell aus. Wenn es euch nicht gefällt, könnt ihr immer noch aufhören. Aber viele entdecken dabei etwas, das ihnen richtig Spaß macht.
Traut euch – meldet euch einfach mal zu einem Probetraining an!
(Erfahrungsbericht von Mirko – für das ISaR-Projekt 2018)
Mein Name ist Mirko, ich bin 21 Jahre alt und studiere derzeit im fünften Semester Mathematik. Mein Abitur habe ich an einem Regel-Gymnasium in Potsdam abgelegt.
Ursprünglich hatte ich vermutlich auf beiden Augen ein Sehvermögen von etwa 10 %. Durch eine Netzhautablösung im frühen Kindesalter bin ich auf dem rechten Auge vollständig erblindet. Zusätzlich habe ich einen Nystagmus, das heißt: Meine Augen führen unkontrollierte Bewegungen aus, was das Sehen zusätzlich erschwert.
Schon mit vier Jahren habe ich die Grundbegriffe des Schachspiels gelernt. Mit acht Jahren bin ich dem USV Potsdam beigetreten – dem Verein, in dem ich bis heute aktiv spiele. Ich bin dort der einzige Spieler mit Sehbeeinträchtigung. Da ich zu Beginn nichts vom Blindenschach wusste, habe ich jahrelang wie sehende Spieler*innen gespielt – einfach mit angepasster Beleuchtung durch eine Kaltlichtlampe, um das Schachbrett besser erkennen zu können.
Erst später lernte ich die Möglichkeiten des Blindenschachs kennen. 2009 nahm ich an meinem ersten Schnellschachturnier des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenschachbundes (DBSB) in Norderstedt teil. Dort wurde ich nicht nur Mitglied des DBSB, sondern erlebte zum ersten Mal das Spielen mit Hilfsmitteln – insbesondere mit dem Steckschachbrett.
Heute nutze ich bei allen Wertungspartien verschiedene Hilfsmittel:
ein Steckschachbrett mit tastbaren Figuren,
eine Kaltlichtlampe für optimale Ausleuchtung,
vergrößerte Partienzettel, um besser mitschreiben zu können,
und eine digitale Schachuhr mit Sprachausgabe, die mittlerweile sogar auf Deutsch funktioniert – ursprünglich kam sie aus Spanien.
Besonders wichtig für mich war: Ich musste meine Spielberechtigung beim USV Potsdam nicht aufgeben. Ich kann somit weiterhin für meinen Heimatverein spielen und gleichzeitig für den DBSB – ein Gewinn auf ganzer Linie.
Zugegeben: Es hat einige Überwindung gekostet, offen mit meiner Sehbeeinträchtigung umzugehen und Hilfsmittel bei offiziellen Turnieren einzusetzen. Doch heute bin ich sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Gerade bei langen, komplexen Partien ist es eine enorme Entlastung – ich kann mich nun viel besser auf das eigentliche Spiel konzentrieren, statt gegen Sehgrenzen anzukämpfen.
Mein Fazit: Schach ist ein Sport für alle – unabhängig vom Sehvermögen. Entscheidend ist die Leidenschaft für das Spiel, nicht das Augenlicht.
Ich war als Förderschullehrer aus dem Förderschwerpunkt Sehen und als Sportlehrer gebeten worden, eine Schülerin mit Blindheit auf eine Ski-Klassenfahrt zu begleiten. Vor einigen Jahren hatte ich eine sehr gute Fortbildung zum Begleiten von Skifahrern mit verschiedenen Beeinträchtigungen, unter anderem auch für blinde Menschen, absolviert.
Mit 108 Schüler*innen (davon eine blinde Schülerin) aus der Stufe 8 zweier Schulen, die im sportlichen Bereich miteinander kooperieren und 16 Betreuer*innen sollte es in ein Skigebiet gehen. Vor der Fahrt habe ich mich mit der blinden Schülerin und ihrer Förderschullehrerin aus dem Gemeinsamen Lernen getroffen. Zunächst haben wir Materialkunde betrieben, Skier und Skischuhe ertastet, die Funktionen der einzelnen Teile besprochen und diese anprobiert. Im Klassenraum ist die Schülerin in Ruhe mit den Schuhen und später auf Skiern ein paar Schritte gelaufen. Außerdem gab es wochenlang vorab ein verbindliches Training im Rahmen des Sportunterrichts aus dem Bereich der Skigymnastik.
Es wurde ein Skigebiet gewählt, in dem es nicht zu viele Pisten und Lifte gibt, um einen besseren Überblick zu haben und Skilehrer zur Not schnell bei einer Ski-Gruppe aushelfen konnten. Außerdem wurde darauf geachtet, dass ein geeigneter Anfängerhang mit ebener Fläche für die ersten Ski-Erfahrungen vorhanden ist.
Meine Zusatzausrüstung als Guide bestand aus einem beidseitig bedrucktem Neonshirt mit der Aufschrift „Guide“, einem Lautsprecher und Mikrophon am Kopf. Als Guide nutzt man im Anfängerbereich am besten Kurzski, da man mit diesen deutlich wendiger ist und zur Not auch schnelle Richtungswechsel auf engem Raum durchführen kann.
Die Schülerin trug ein gleichfarbiges, beidseitig bedrucktes Neonshirt mit der Aufschrift „Blind“. Das dient zum einen der besseren Erkennbarkeit auf der Piste und zum anderen wird hier die Einheit der beiden Skifahrer deutlich. Es soll verhindern, dass andere Fahrer zwischen Guide und blindem Skifahrer hindurchfahren.
Am ersten Tag übte die Schülerin mit Blindheit auf ebener Fläche. Zunächst erlernte sie, sich nach meiner Stimme sowie nach den Stunden eines Ziffernblattes auszurichten und meiner Stimme zu folgen, da nicht sehende Skifahrer sich auch später auf der Piste nach der Stimme ihres Guides orientieren. Um immer eine Orientierung zu haben sagt der Guide durchgehend in kurzen Abständen das Wort „Geht“, für Kurven „und hopp“ und beim Stoppen „und halt“. Auch bei den Vorübungen wurde damit keine Ausnahme gemacht.
Mit nur einem Ski wurde zunächst „gerollert“. Dabei wurde das skifreie Bein zum Abstoßen genutzt. Später bewegte sich die Schülerin mit beiden Skiern vorwärts, indem die Stöcke zunächst zum Abstoßen genutzt wurden. Als nächstes übten wie die Fortbewegung mit und ohne Stöcke mit Skiern durch Vorwärtsgleiten und Skaten.
Später stiegen wir einen flachen Hang auf verschiedene Weise hinauf und rutschten diesen seitlich wieder hinab. Dabei wurde auch erlernt, die Kanten zum Bremsen zu nutzen und mit ihnen das seitliche Abrutschen zu verhindern.
Nachdem die Pflugstellung erklärt und in der Ebene ausprobiert wurde, konnten wir auch schon den flachen Hang vorwärts hinuntergleiten und die Pflugstellung zum Bremsen nutzen. Anschließend folgten auch schon die ersten Kurven in Pflugstellung. An diesem Tag war ich ausschließlich ohne Skier unterwegs. So konnte ich vor meiner Schülerin rückwärts herlaufen, hatte sie immer im Blick, konnte sie (wenn nötig) stützen und mit den Händen die Position der Skier verändern oder diese führen.
Am zweiten Tag wurden am Morgen noch einmal einzelne Übungen in der Ebene und am flachen Hang wiederholt. Dann ging es zur ersten Liftanlage: der „Zauberteppich“ am Anfängerhang. Das sehr nette Liftpersonal gab uns die Gelegenheit den Einstieg des Laufbands im abgeschalteten Zustand zu erkunden und einen Eindruck von der Steigung zu bekommen. Beim ersten Einstieg unterstützte ich noch durch Stützen, alle weiteren Einstiege gelangen aber schon ohne Hilfe. Am Ende des Laufbandes wird gleichmäßig von 3 abwärts gezählt, sodass bei 1 das Ende erreicht ist und die Schülerin vom Band laufen kann. Diese Zählweise wird grundsätzlich bei allen Liftausstiegen verwendet.
An diesem Tag vertieften wir an diesem Hang das Kurvenfahren und das Bremsen in Pflugstellung. Wichtig ist vor Abfahrt, dass die erste Kurvenrichtung angesagt wird und die angesagte Richtung von der blinden Fahrerin angezeigt wird, um Missverständnisse zu vermeiden. Bei den ersten Abfahren lief ich noch rückwärts vor meiner Schülerin her. Danach konnte sie bereits recht sicher fahren und benötigte weniger Unterstützung, sodass ich die folgenden Abfahrten mit den Kurzskiern rückwärts vor ihr herfahren und ihr die Kommandos geben konnte.
Am dritten Tag ging es am Nachmittag zum ersten Ankerlift an einer blauen Piste. Auch hier war das Liftpersonal sehr nett und konnte uns einen Übungs-Anker mit Seil herausgeben. Dieser wurde zunächst ertastet und das Prinzip des Geschleppt-Werdens erklärt. Später trainierten wir mit dem Übungsanker den Einstieg, das Anfahren und Fahren, während ich den Anker einige Meter bergauf zog. Beim ersten realen Einstieg wurde der Lift sehr verlangsamt, um einen leichteren Einstieg zu haben und auch dieses Mal klappte es beim ersten Versuch.
Die flacheren Stücke der blauen Pisten fuhren wir in der Pflugstellung. Steilere Abschnitte glitten wir zunächst seitlich auf den Kanten hinab, wobei ich mich auf der Talseite der Schülerin bewegte und sie von dort stützen oder die Skier ankanten konnte. In den kommenden Tagen gelang es aber auch an diesen Stücken immer besser auch dort Kurven zu fahren.
Leider konnten wir an den letzten eineinhalb Skitagen krankheitsbedingt nicht mehr Ski fahren. Trotzdem war meine Schülerin sehr stolz darauf, so weit gekommen zu sein. Besonders, weil sie dies vorher nicht für möglich gehalten hatte. Auch die Kolleg*innen und Betreuer der GL-Schule und ich waren von den großen und schnellen Fortschritten sehr begeistert. Und allen war am Ende klar: Skifahren ist auch blind möglich und sollte interessierten Schüler*innen möglich gemacht werden.
Marcel Nagel für das ISaR-Projekt 2019
Die Leidenschaft für das Wandern und das Bedürfnis, an seine Grenzen gehen zu wollen, lassen sich beim „Ultrawandern“ vereinen. Hierbei handelt es sich um eine Sportart, die auch als Extremsportart bezeichnet wird, da man sowohl körperlich als auch geistig an seine Grenzen geht. Man wandert Streckenlängen, die meist im Marathonbereich (42 km, sogenannte Wandermarathons) beginnen. Lediglich der Körper und die Psyche setzen der Distanz Grenzen. Besonders beliebt sind Strecken zwischen 50 Kilometern und 100 Kilometern. Hierfür gibt es auch Veranstaltungen, bei denen man bei erfolgreichem Abschluss oder auch beim Erreichen von Teilstrecken eine Medaille erhält.
Das Ultrawandern verbindet Menschen. Dabei hat man meist viel Zeit, um sich mit seinen Mitwandernden auszutauschen, da bei beispielsweise 50 Kilometern Distanz eine ungefähre Zielzeit zwischen 8 und 12 Stunden angesetzt wird. So sind bereits viele Freundschaften entstanden.
Besonders spannend beim Ultrawandern ist die Nacht. Wenn 100 Kilometer gewandert werden, gehen die Sportler*innen durch die Nacht. Der Körper fährt evolutionär bedingt herunter und stellt sich auf das Schlafen ein. Gerade die Stille der Nacht ist dabei eine Grenzerfahrung, da wir normalerweise in unserem Bett liegen und schlafen. Ein „goldener Moment“ einer solchen Wanderung ist der Sonnenaufgang. Auch wenn ich selbst nur hell und dunkel wahrnehme, strömt die „Lebensenergie“ in den Körper zurück, sobald die Erde am Morgen wiedererwacht. Wenn die Vögel wieder beginnen zu singen, die Sonnenstrahlen den Morgentau auflösen und die Menschen und Tiere ihren Tag beginnen, tankt der bereits erschöpfte Körper neue Energie. Diese ist meist entscheidend dafür, ob ein erfolgreicher Abschluss der Wanderung möglich ist.
Beim Ultrawandern empfiehlt es sich, dass sich Menschen mit Sehbeeinträchtigung durch eine zweite Person begleiten lassen. Gerade wenn der Körper und auch die Psyche an Grenzen geführt werden, fällt es schwerer, das verbliebene Sehvermögen so konzentriert wie gewohnt einzusetzen. Am meisten Spaß macht es, wenn man mit verschiedenen Menschen startet, da es so gerade in der Nacht nicht langweilig wird und man immer wieder neue Gespräche führen kann. Da eine 100-Kilometer-Wanderung ungefähr zwischen 20 und 24 Stunden dauert, ist viel Zeit zum Kennenlernen.
Das Ultrawandern ist meiner Meinung nach für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und Blindheit sehr empfehlenswert, da hier zum einen Grenzerfahrungen gemacht werden und die Wandernden realisieren, wie viel mehr man eigentlich leisten kann – und zum anderen, weil man sich selbst, seinen Körper und auch seine Psyche besser einschätzen lernt.
Zum Wandern braucht es neben guten Wanderschuhen – gerade bei Ultrastrecken – auch eine Person, die bereit ist, einen Menschen mit Blindheit zu führen. Erfahrungsgemäß sind die Menschen, die solche Sportarten ausüben, sehr offen, weil sie selbst oftmals ihre eigenen „Päckchen“ zu tragen haben und im Ultrasport einen Ausgleich finden.
In meinem Fall stellen die Begleiter*innen mir ihren Arm zur Verfügung, und ich hake mich ein. Gerade in der Nacht wechseln wir oft auf Hand-in-Hand, weil der Arm über solche Distanzen schwer wird. Dies ist abhängig von der Größe der Personen und natürlich vom Training. Wenn der Begleiter das Ultrawandern gewohnt ist, kann es auch sein, dass man sich 100 Kilometer lang einhaken kann.
Bei solchen Wanderungen sollte es aber nicht darum gehen, dass ein Mensch mit Blindheit eine Begleitperson sucht und diese ihn aus „Mitgefühl gegenüber dem Blinden“ begleitet. Wichtig ist, dass man sich sympathisch ist und die Strecke gemeinsam bewältigen möchte. 100 Kilometer sind ein langer Weg und nehmen viel Zeit in Anspruch – man sollte sich also gut verstehen.
Wenn ich daran zurückdenke, wie ich mit dem Ultrawandern begonnen habe, fällt mir meine erste lange Wanderung ein. Damals sind wir von meiner Haustür bis zur 52 Kilometer entfernten Kneipe zum Abendessen gelaufen. Morgens in der Frühe gestartet und abends mit Schmerzen in den Gelenken angekommen – aber das Gefühl, diesen Weg mit den eigenen Füßen gegangen zu sein, war unglaublich. Wahrscheinlich sind es die Glücksgefühle und der Stolz, die mich immer wieder motivieren, eine neue Strecke auf mich zu nehmen. Denn irgendwann, so hat mal ein Veranstalter geschrieben, „tut es einfach nur noch weh“. Dann ist es die Kunst, dass die Psyche die Oberhand über den Körper gewinnt – und die Grenzen, die man bereits vor sich sieht, sich auflösen.
Denn am Ende können wir alle viel mehr, als wir denken – und können viel, viel weiter gehen, als wir je geglaubt haben.
(Erfahrungsbericht von Ann-Kathrin für das ISaR-Projekt)


