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Fakultät Rehabilitationswissenschaften

Hilfsmittel bei Sehbehinderung

Bei Sehbeeinträchtigung sind visuell gut strukturierte und je nach Beeinträchtigung vergrößerte Texte sowie Grafiken bzw. vergrößernde Sehhilfen von Bedeutung. Auch bei Sehbeeinträchtigung können taktile und akustische Hilfsmittel sehr hilfreich sein.
Die folgenden Links bieten eine erste Übersicht von Materialien und Hilfsmitteln, die für die Beschulung von Schüler*innen mit Sehbeeinträchtigung hilfreich sind.

Bildschirmlesegeräte, auch bekannt als Bildschirmlesesysteme oder Kameralesesysteme, gehören zu den elektronischen Hilfsmitteln. Sie ermöglichen hochgradig sehbeeinträchtigten Menschen den Zugang zu Texten und Abbildungen.
Die zu lesenden Materialien werden auf einen beweglichen Tisch unter eine Kamera gelegt. Der Tisch kann horizontal und vertikal per Hand bewegt werden. Die Kamera nimmt den gewünschten Ausschnitt auf und zeigt ihn vergrößert auf einem Monitor an.
Einige Geräte verfügen über eine Fernkamera, mit der beispielsweise Tafelanschriften aufgenommen und auf den Monitor übertragen werden können. Geräte mit zwei Kameras ermöglichen es, zwischen zwei Bildern zu wechseln. Bei Geräten mit einer schwenkbaren Kamera ist es wichtig, dass diese ruckelfrei bewegbar ist und das Bild schnell scharfgestellt wird.
Zusätzlich bieten viele Geräte die Möglichkeit, Farb- und Kontrasteinstellungen individuell anzupassen. Bei ausreichend Abstand zwischen Kamera und Tisch können die Geräte auch zum Schreiben oder für andere Arbeiten genutzt werden. Einige Lesegeräte bieten auch die Funktion, Positionen zu speichern, sodass schnell zwischen wichtigen Bereichen im Klassenraum (z. B. Lernposter und Tafel) gewechselt werden kann. 

Bildschirmlesegeräte sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich:

  1. Standgeräte mit Monitor: Häufig mit beweglichem Kreuztisch ausgestattet, ideal für stationäre Nutzung.
  2. Geräte mit Fernkamera: Speziell für die Betrachtung von entfernten Objekten, wie Tafelbildern.
  3. Transportable Geräte: Praktisch für Schülerinnen oder Studentinnen, die den Arbeitsplatz häufig wechseln.
  4. Geräte mit Computeranschluss: Bieten zusätzliche Funktionen wie die Integration in digitale Arbeitsumgebungen.

Die meisten Monitore sind als matte Flachbildschirme konzipiert, um Spiegelungen und Reflexionen zu minimieren.

 

Praktische Hinweise zur Nutzung

  • Vergrößerung: Bildschirmlesegeräte bieten Vergrößerungen zwischen zweifach und sechzigfach. Es ist wichtig, eine Vergrößerung zu wählen, bei der Buchstaben gut erkennbar sind, sodass eine hohe Lesegeschwindigkeit erreicht werden kann.
  • Kreuztisch:
    • Der Kreuztisch erleichtert das Lesen von Büchern oder Arbeitsblättern, da diese trotz Verschiebens gerade liegen bleiben.
    • Er kann so eingestellt werden, dass er sich nur in bestimmten Richtungen bewegen lässt (z. B. nur horizontal).
    • Bei kleineren Bildausschnitten kann der Tisch auch fixiert werden.
  • Arbeitsfläche: Geräte ohne Kreuztisch bieten mehr Platz auf der Arbeitsfläche. Allerdings kann es vorkommen, dass Materialien beim Lesen am Standfuß hängen bleiben.

Jedes Bildschirmlesegerät sollte auf die individuellen Sehbedingungen der Nutzer*innen abgestimmt sein. Funktionen wie Farb- und Kontrasteinstellungen oder die Möglichkeit, bestimmte Positionen zu speichern, erleichtern die Nutzung.
Vor der Anschaffung sollte das Gerät in Ruhe getestet werden, um sicherzustellen, dass es den Anforderungen gerecht wird.

In integrativen und inklusiven Unterrichtsumgebungen stellt die Erkennung von Zeichnungen und das Lesen von Texten an der Tafel eine besondere Herausforderung für Schüler*innen mit Sehbeeinträchtigung dar. Mithilfe einer Tafelkamera können diese Informationen auf einem Monitor oder Laptop in verschiedenen Vergrößerungsstufen dargestellt werden.


Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten

  • Vergrößerung: Die Tafelkamera ermöglicht es, Tafelbilder und Texte zu vergrößern, sodass sie auf dem Bildschirm leichter erkennbar sind.
  • Farb- und Kontrasteinstellungen: Das Ausgabebild kann individuell an die Sehbedürfnisse des Schülers oder der Schülerin angepasst werden. Dies umfasst die Einstellung von Kontrasten, Farbmodi oder Farbumkehrungen.
  • Zweite Kamera: Manche Geräte verfügen über eine zweite Kamera, die speziell für den Nahbereich (z. B. Texte oder Zeichnungen) ausgelegt ist. Diese Kamera ergänzt die Tafelkamera und bietet eine größere Flexibilität. Der Monitor kann geteilt werden, sodass gleichzeitig Bilder aus dem Nahbereich und aus dem Fernbereich (z. B. von der Tafel) angezeigt werden können. Schüler*innen können zwischen den Bildern der beiden Kameras wechseln oder die Kamera schwenken, um verschiedene Bereiche des Klassenraums zu erfassen.

Vergrößerungssoftware ermöglicht es Menschen mit Sehbeeinträchtigung, die Inhalte eines Computerbildschirms wie Texte, Cursor, Icons oder Bilder zu vergrößern. Derartige Software ist nicht nur für Computer verfügbar, sondern auch für Handys und Smartphones.

Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten

  • Vergrößerung: Die Software ermöglicht es, Texte, Grafiken und Bilder individuell zu vergrößern. Dabei wird jedoch nur ein kleiner Ausschnitt des Bildschirms angezeigt, sodass sich Nutzer*innen orientieren müssen. 
  • Navigation: Die Navigation erfolgt über Tastatur und Maus. Oft ist die Steuerung über die Tastatur schneller und präziser.
  • Anpassbare Anzeige: Individuelle Farbeinstellungen und Kontrastverstärkungen können hinzugefügt werden, um die Lesbarkeit zu verbessern.
  • Sprachausgabe: Für das Lesen längerer Texte bieten viele Programme die Möglichkeit einer Sprachausgabe, die den Inhalt vorliest.
  • Transportable Versionen: Einige Vergrößerungssoftwares sind auch auf USB-Sticks verfügbar, was ihre Nutzung an unterschiedlichen Geräten erleichtert.

Praktische Hinweise zur Nutzung

  • Eine geringe Vergrößerung erleichtert oft das flüssige Lesen und die Navigation, da weniger Bruchstücke eines Bildes oder Textes zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden müssen.
  • Individuelle Anpassung: Es sollten verschiedene Einstellungen für Kontrast, Farben und Navigation ausprobiert werden, um die für den Nutzer optimale Konfiguration zu finden.

Eine gute Beleuchtung kann die Lese- und Sehfähigkeit von Menschen mit Sehbeeinträchtigung erheblich verbessern. Durch die Erhöhung der Kontraste und der Erkennungsschärfe wird das Lesen und Arbeiten erleichtert. Dabei ist das Zusammenspiel von Schriftgröße, Kontrast (vorzugsweise schwarze Schrift auf weißem oder gelbem Untergrund) und Licht essenziell.

Grundlagen der Beleuchtung

  • Raumabhängige Beleuchtung: Die Beleuchtungsstärke sollte spezifisch an den Orten gemessen werden, an denen Licht benötigt wird (z. B. Tafel, Schülertische, Spielteppich).
  • Messung der Beleuchtungsstärke: Lux-Meter sind im Handel erhältlich und können genaue Messwerte liefern. Alternativ können Luxmeter-Apps auf Mobilgeräten verwendet werden; dabei ist die Einstellung der Kamera zu beachten.
  • Normwerte nach (DIN 12464):
    • 100 lx für den Fußboden.
    • 200 lx für Küchen.
    • 300 bis 500 lx für Klassenzimmer.
    • Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung sollte die Beleuchtungsstärke jedoch etwa 1500 lx betragen, da häufig besondere Anforderungen bestehen.
  • Erhöhte Beleuchtungswerte von 15000 lx notwendig, wenn:
    • Das Sehvermögen unter dem Durchschnitt liegt.
    • Sehaufgaben kleine Details oder niedrige Kontraste aufweisen.
    • Die Sehaufgabe kritisch für den Arbeitsablauf ist.
  • Homogene Lichtverhältnisse:
    • Große Unterschiede in der Beleuchtung, z. B. zwischen Deckenbeleuchtung und Einzelplatzbeleuchtung, können die Anpassung der Augen erschweren.
    • Decken- und Tafelbeleuchtung sowie Einzelplatzbeleuchtung sollten gleichzeitig genutzt werden.
  • Hilfsmittel und Licht: Die Beleuchtung sollte auf die genutzten Hilfsmittel abgestimmt sein, z. B. Lupenbrillen in Kombination mit höhen- und neigungsverstellbaren Tischen.
  • Tischleuchten: Besonders geeignet, wenn ein schmaler Arbeitsbereich präzise ausgeleuchtet werden muss.
  • Transportable Lösungen: Für wechselnde Arbeitsplätze können transportable Tischleuchten sinnvoll sein.

Anforderungen an Leuchten

  • Flimmerfrei
  • Hohe Farbwiedergabequalität
  • Dimmbar und schaltbar
  • Blendfrei
  • Hitzeschutz

Lupen sind essenzielle Hilfsmittel für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, die eine Vergrößerung von Texten, Objekten oder Details benötigen. Dabei unterscheidet man zwischen nicht-elektronischen Lupen und elektronischen Lupen (E-Lupen), die unterschiedliche Anwendungsbereiche und Vorteile bieten.


1. Elektronische Lupen (E-Lupen)
Elektronische Lupen sind kompakte, mobile Geräte, die speziell für die Vergrößerung von kleinen Texten, Objekten und Ausschnitten entwickelt wurden. Nach entsprechender Übung können mit E-Lupen Bus- und Bahnfahrpläne, Speisekarten, Preisschilder oder Ausschnitte aus Formularen gelesen werden.


1.2 Vorteile gegenüber nicht-elektronischen Lupen:

  • Flexible Vergrößerung: E-Lupen ermöglichen das kurzfristige Abspeichern eines in Armlänge entfernten Bildausschnitts. Der gespeicherte Ausschnitt kann anschließend in Augennähe betrachtet und nach Bedarf vergrößert werden.
  • Anpassbare Kontraste: 
    • Viele Modelle bieten die Möglichkeit, Farbkontraste individuell einzustellen (z. B. heller Hintergrund, dunkle Schrift oder umgekehrt).
    • Dies erleichtert das Lesen in unterschiedlichen Lichtverhältnissen.
  • Erweiterte Funktionalität: Neben der reinen Vergrößerung bieten einige Geräte Funktionen wie Bildspeicherung, Texterkennung (OCR) und die Möglichkeit, Inhalte auf andere Geräte zu übertragen.

 

1.3 Herausforderungen bei der Nutzung:

  • Der Anwender muss wissen, wo sich die gewünschte Information befindet. Beispiel: Beim Lesen eines Fahrplans ist es wichtig, die Position der Abfahrts- oder Ankunftszeiten zu kennen.
  • Eine grundlegende Schulung und Übung im Umgang mit E-Lupen ist hilfreich, um die Geräte effizient nutzen zu können.

 

2. Nicht-elektronische Lupen
Nicht-elektronische Lupen, sind einfache optische Hilfsmittel, die ohne Elektronik auskommen. Sie bestehen typischerweise aus einer Linse, die Texte, Objekte oder Details durch eine feste Vergrößerung vergrößert. Diese Lupen sind in verschiedenen Größen und Formen erhältlich, darunter Handlupen, Standlupen oder Leselupen mit integrierter Beleuchtung.


2.1 Vorteile analoge Lupen:

  • Analoge Lupen sind leicht zu bedienen, da keine technischen Kenntnisse oder Einstellungen erforderlich sind.
  • Sie sind sofort einsatzbereit, ohne dass Batterien oder Strom benötigt werden.
  • Im Vergleich zu elektronischen Lupen sind sie in der Regel preiswerter und daher eine erschwingliche Lösung für viele Menschen.
  • Aufgrund ihrer einfachen Bauweise sind sie weniger anfällig für technische Probleme oder Ausfälle.
  • Es gibt eine breite Auswahl an Modellen, die auf spezifische Bedürfnisse zugeschnitten sind, z. B. Lupen mit hoher Vergrößerung oder solche mit eingebauter Beleuchtung für bessere Sicht bei schlechten Lichtverhältnissen.

 

2.2 Herausforderungen:

  • Die Vergrößerungsstufe ist fest und nicht flexibel einstellbar. Für unterschiedliche Aufgaben könnten daher mehrere Lupen erforderlich sein.
  • Der Nutzer muss die Lupe meist in der Hand halten oder in einer festen Position bleiben, was bei längeren Lesesitzungen ermüdend sein kann.
  • Im Gegensatz zu elektronischen Lupen bieten normale Lupen keine Kontrasteinstellungen oder zusätzliche Funktionen wie Texterkennung.

Monokulare sind optische Geräte, die speziell für die Vergrößerung von Objekten in der Ferne entwickelt wurden. Sie werden mit nur einem Auge genutzt und werden zum Teil von Schüler*innen mit Sehbeeinträchtigungen für die Tafelarbeit oder für die Orientierung im Straßenverkehr eingesetzt. Monokulare sind grundsätzlich mit verschiedenen Vergrößerungen erhältlich.


Eigenschaften und Anwendung:

  • Vergrößerungsfaktor und Blickfeld: Je höher die Vergrößerung, desto kleiner wird das Blickfeld. Dies erfordert gezieltes Arbeiten, da nur ein begrenzter Ausschnitt sichtbar ist.
  • Nutzung im Schulalltag: Monokulare sind eine praktische Alternative zu stationären Tafelkameras. Um Verwacklungen zu vermeiden, kann ein höhenverstellbares Tischstativ verwendet werden.
  • Herausforderungen: Die Bedienung eines Monokulars kann anstrengend sein und führt bei längerer Nutzung schnell zu Ermüdung. Besonders für Menschen mit motorischen Einschränkungen (z. B. Tremor) ist die Anwendung oft ungeeignet. Zudem erfordert das Scharfstellen (über eine Gewindedrehung) Übung.

Mit Hilfe eines "Dopplers" kann bei einem Monokular eine Verdopplung der Vergrößerung erzielt werden. Zu diesem Zweck wird es als Vorsatzlinse vor das Monokular gesetzt. Der Doppler kann auch zur Erweiterung des Sehfeldes (bei stark verkleinertem Gesichtsfeld) und zur Verkleinerung von Sehobjekten genutzt werden.

 

Hyperokulare sind spezielle Brillen, die durch sogenannte Überaddition (Plusgläser) außergewöhnlich hohe Vergrößerungen von bis zu 12-fach ermöglichen. Im Vergleich zu stationären Hilfsmitteln wie Bildschirmlesegeräten zeichnen sie sich durch ihre Mobilität und einfache Handhabung aus. Hyperokulare bestehen aus asphärischen Linsen aus Kunststoff (Acrylglas), die auch bei hoher Vergrößerung ein bemerkenswert großes Sehfeld bieten.

Vorteile eines Hyperokulars sind:

  • ausgezeichnete Abbildungsqualität durch bi-asphärische Linsenflächen
  • es lassen sich hohe Vergrößerungen realisieren
  • minimales Gewicht trotz hoher Vergrößerung
  • hohe Akzeptanz durch Menschen mit Sehbeeinträchtigung, weil ein eingearbeitetes Hyperokular wie eine normale Brille aussieht
  • keine Zentrierprobleme, da es monokular in die Brille eingearbeitet wird.

Kantenfilter sind spezielle Filtergläser, die die blendempfindlichen, kurzwelligen Blauanteile des Lichtspektrums absorbieren. Dadurch verhindern sie die Blendung und erhöhen gleichzeitig den Kontrast. Allerdings können Farben mit Kantenfiltern oft nicht mehr zuverlässig unterschieden werden. Durch die Filterung bestimmter Wellenlängen wird der Kontrast deutlich verbessert, was die Sicht in vielen Situationen erleichtert.
Es gibt unterschiedliche Filter, die jeweils eine andere "Filterkante" haben. Die geeigneten Filtergläser müssen mit den Betroffenen möglichst bei Sonnenlicht für die Verwendung draußen und bei normaler Beleuchtung am Arbeitsplatz ausprobiert werden.